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Schal "Saheli"

Inkl. 19% MwSt. zzgl. Versand Bestellnummer:31198
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Der handgewebte Leinenschal im Streifendesign ergänzt die Herrengarderobe ebenso gut wie die Damenmode.

100% Leinen
ca. 70 x 200 cm
natur mit dunkelgrauen Streifen

Handgefertigt und fairtrade aus Nepal

Bei Maheela arbeiten ca. 80 Frauen, die in Handarbeit wunderschöne Schals aus hochwertigen Materialien herstellen.

Die Frauen, die bei Maheela arbeiten sind Opfer von Missbrauch, Gewalt und Armut. Hier bekommen sie eine Chance. Sie erhalten eine faire Bezahlung und zusätzliche Leistungen, wie z.B. Trainings und kostenlose Kinderbetreuung.Sie erhalten eine faire Bezahlung und zusätzliche Leistungen, wie z.B. Trainings und kostenlose Kinderbetreuung.

Maheela ist ein Projekt der Womens‘ Foundation Nepal (WFN). Diese Organisation wurde im Jahr 2000 von Renu Sharma, einer engagierten Juristin aus Nepal, gegründet. Sie setzt sich für die Verbesserung der Lebenssituation von Frauen in Nepal ein. Vom Gewinn den Maheela erwirtschaftet gehen 60% an die WFN.

 

Einen umfassenden Eindruck vermittelt der Brigitte Artikel aus Heft Nr.24, 31.10.2012

Um neun Uhr marschiert die Revolution. Die Kinder sind in der Schule, die Reiskochtöpfe gewischt, die Teetassen gespült, es ist Zeit jetzt. Sie schreitet auf Flipflops, forsch überquert sie die Schotterstraßen, die Füße stauben ein, die Armreifen klimpern. Die Leute gucken. Sie marschiert hinüber zu einem weißen Haus mit blauen Fenstern, durchquert das Tor, an dem „Maheela Dhaka“ steht, Frauenweberei. 30 Frauen in roten Saris, sie schließen das Tor hinter sich, das ist besser so, die Revolution braucht noch Schutz. Dann gehen sie in die Werkstatt, nehmen Strohbesen und fegen den Boden sauber, zwischen Webstühlen, Spinnrädern, Fadenwickelmaschinen. Es ist kein romantischer Ort, aber ein sicherer. Darum geht es in dieser Revolution: dass diese Frauen ein Leben in Würde führen können, fernab der Armut und der Schläge ihrer Männer.

Nepal ist ganz anders, als man es sich vorstellt, wenn man Everest-Dokus schaut. Das Mystische, Erhabene, das dieses Land am Rand des Himalaya auch hat, hat nichts mit dem Leben der meisten Frauen hier zu tun. Nepal ist Männer-Land, und die Frauen, die in den Dörfern leben, sind weit weg von jeder modernen, sich entwickelnden Gesellschaft. Das Land ist arm, es produziert so gut wie nichts, 90 Prozent der 30 Millionen Menschen leben von der Landwirtschaft, die mit Ochsenkarren und selbst gebauten Spitzhacken betrieben wird. Und noch immer werden 90 Prozent der Ehen arrangiert, müssen die Mädchen, die bei ihrer Hochzeit 14, 15 Jahre alt sind, in die Häuser ihrer Schwiegereltern ziehen und dort wie Hausmädchen arbeiten, noch immer werden sie dort so schikaniert, wie ihre Schwiegermütter von ihren eigenen Schwiegermüttern schikaniert wurden. Sie heißen Ghana, Gopini, Sangita, Anrika. Sie sind fortgelaufen. Sie haben es nach Kathmandu geschafft, eine Handynummer in der Tasche, die ihnen eine Freundin zugesteckt hat oder ein Lehrer. 51051854. Die Nummer von Renu Sharma, die sie vor ihren Männern versteckt und ihnen Arbeit als Weberin gibt, damit sie Geld verdienen können, 80 bis 180 Euro im Monat. Das reicht, um selbständig zu leben.

Das ist die Revolution, mit der jede Frauenbewegung auf der Welt einmal angefangen hat, bei uns vor mehr als 100 Jahren, in Nepal jetzt: jede Frau wirtschaftlich unabhängig zu machen. Wir haben ihre Schals in einem Katalog der Organisation Plan Deutschland gesehen, wir wollten diese Frau treffen. Deshalb sind wir hier. „Die Frauen wollen ihr Schicksal nicht mehr hinnehmen“, sagt Renu Sharma auf der Bank vor ihrem Haus, das gleich neben der Weberei steht. „Sie wollen raus aus ihrer Depression. Hier blühen sie auf, sie merken, dass sie endlich reden können, weil jede hier die Geschichte der anderen versteht.“ Renu, 40, hatte Jura studiert und jahrelang Frauen beraten, die nicht für sich selbst sprechen konnten. Sie ist mit ihnen in ihre Familien, zu ihren Männern gegangen oder zur Polizei. Dann stellte sie fest, dass die Hilfe zu kurz greift; dass die Frauen eigenes Geld verdienen müssen, um wirklich frei leben zu können. Sie hatte keine Ahnung vom Weben, als sie die Fabrik vor acht Jahren baute. Aber sie lernte, wo man gutes Garn kauft, wie man ein Unternehmen managt und Kunden akquiriert. Renu Sharma ist einer dieser elektrisierenden Menschen, die einfach irgendwo anfangen zu helfen, weil sie Verbundenheit empfinden und eine Art Mütterlichkeit. In ihrem Fall kommen Bildung und das Privileg einer kleinen Erbschaft dazu. Es sind Frauen, die selbstlos sind, aber das Wort nicht kennen. Sie sagt, sie spüre diese Verantwortung, wenn die Frauen an ihr Tor klopfen und wenn sie ihre Geschichten hört. Sie reißt beim Zuhören die Augen auf und fährt sich durch die schwarzen Haare, sie trägt sie kurz wie ein Junge. Jeder Versuch, sich anzupassen an das, was man von einer Frau in Nepal erwartet, scheitert bei ihr schon an der Frisur.

Eine der Weberinnen ist Ghana, 42. Ihre Revolution begann vor sieben Jahren, aber sie muss sich noch immer jeden Tag, wenn sie das Garn auf die Spulen zieht oder mit bloßen Füßen die Webstuhl-Pedale tritt, sagen, dass der Schrecken vorbei ist. Sie spricht laut, aber ohne Mimik. Ihre linke Hand öffnet und schließt sich dabei langsam wie eine Blüte. Wäre sie klein und zart wie viele der Weberinnen, hätte sie wohl nicht überlebt, aber Ghana ist kräftig. Mit zehn Jahren wurde sie verheiratet, der Mann war doppelt so alt wie sie. Sie musste für eine Großfamilie kochen und putzen, wenn ihr etwas misslang, schlug er sie mit einem Stock blutig. Bald vergewaltigte er sie jeden Tag und prügelte auf alle ein, die ihr helfen wollten. Manchmal band er sie nachts an einen Baum. Ghanas Vater ließ ihr einen Goldring machen, er sagte: Wenn du den trägst, wird er dich respektieren. Aber ihr Mann verkaufte ihn am nächsten Tag. Ihr Martyrium dauerte 25 Jahre. Sie konnte nicht lesen, nicht schreiben, sie wusste nicht, dass es ein Telefon gab oder irgendeine Alternative zu diesem Leben. Das Einzige, was sie kannte, waren Arten der Selbsttötung. Jeden Tag dachte sie über ihren Selbstmord nach. Dann, als ihr Mann sie wieder halb tot geprügelt und sie dabei immer wieder mit Wasser übergossen hatte, damit sie jeden Schlag spürte, schaffte sie es fortzulaufen, doch die Schwägerin holte sie zurück. Aber diesmal hatte sie Glück, ein neuer Lehrer war im Dorf, er gab ihr heimlich Renus Nummer und 70 Rupien für den Bus nach Kathmandu. Drei Psychologinnen holten sie ab, ein halbes Jahr lang musste sie lernen, normal zu essen und zu trinken, erst dann begann sie zu reden. „Ich bin jetzt sieben“, sagt Ghana, „ich wurde geboren, als ich hierher kam.“

Familie ist ein sensibles Gebilde in Nepal. Für Frauen ist sie unentrinnbar, ihre Hierarchie definiert, was an Lebensglück möglich ist. Renu sagt: „Alle hier sind verstrickt in endlose Familienfehden. Sie wurden enterbt, vor die Tür gesetzt, als Hexen denunziert.“ Ihre Feinde sind die, die ihnen Heimat und Liebe geben sollen. Renu Sharma kommt selbst aus einem Dorf. Als sie acht war, erlebte sie mit, wie die Mutter ihrer besten Freundin auf dem Schulhof verprügelt wurde – sie galt als Hexe, weil ihr Mann früh gestorben war. Renu stahl Butter und Reis von ihren Eltern, brachte es der Frau und log, ihre Mutter schicke das Essen. Danach konnte Renu lange nicht schlafen, weil sie nicht wusste, was wichtiger ist: nicht zu stehlen und zu lügen oder dieser Frau das Gefühl zu geben, dass noch jemand zu ihr hält. Dann entschied sie: Wenn ich schon lüge und stehle, bin ich auch eine Außenseiterin. Dann kann ich auch so weitermachen. Mit 13 ging sie von zu Hause fort, damit kein Heiratskandidat sie finden konnte. Sie machte Abitur, ging aufs College und gründete 1988, mit 16 Jahren, ihre eigene Frauen-organisation, die sie „Women’s Foundation of Nepal“ (WFN) nannte. Inzwischen ist die WFN eine im ganzen Land bekannte Organisation und Renu selbst die Keimzelle einer neuen Familie. Morgens knattern die Propeller-Maschinen, die die Bergsteiger und Touristen zum Everest bringen, über die Weberei, nur in Nepals Luftraum kreuzen sich das Traumland der Westler und die Realität der Frauen. Renus Haus ist auch das Büro der WFN und ein Heim für alle, die ihre Freunde sind. Frauen, die mit ihr in der Foundation arbeiten, freiwillige Helfer aus Kanada und Europa. Frauen aus der Weberei oder einem der drei Frauenhäuser, die sie gegründet hat – zwei sind Verstecke für Frauen, die gerade angekommen sind, eines ein Kinderheim für Waisen und alleinerziehende Mütter.

 400 Weberinnen hat Renu ausgebildet, 46 kann sie derzeit beschäftigen. Aber sie könnte eine Fabrik dazumieten und bis zu 70 000 Schals im Jahr produzieren, dann könnten die Fabriken auch die 150 Waisenkinder ernähren – im Moment unterstützt sie sie privat. 20 Prozent dessen, was ein Schal einbringt, erhalten die Weberinnen als Gehalt, weitere 20 Prozent decken die laufenden Kosten. Das restliche Geld fließt in die WFN-Projekte, das Kinderheim und das Netz von Mitarbeitern, die in ganz Nepal helfen, wenn irgendwo ein kleines Waisenmädchen abgegeben wurde und die Behörden Renu deswegen anrufen. Dann schickt sie ihre Leute in die Dörfer, um die tatsächlichen Umstände zu klären. Ist das Mädchen wirklich ganz ohne Familie, dann findet sie noch einen Platz im Kinderheim.

Wenn die Frauen morgens den Boden gefegt haben, beginnt die eigentliche Arbeit. Einen Schal zu weben braucht Geduld, weil man mit feinsten Fäden hantiert. Ghana spannt die Garnbündel vom Großhändler auf eine Spule, um die auf kleinere umzuspulen. 2160 Spulen braucht es für einen Schal, die ziehen die Frauen auf den Webstuhl, spinnen für die BRIGITTE Schals hauchdünne Seidenfäden auf und weben die Kaschmirfäden quer ein. Garn, das durchtrennt ist, knoten sie, tief über den Webstuhl gebeugt, zusammen, es sieht aus, als massierten sie die Luft mit ihren Fingerspitzen. Zwei Tage dauert es, bis ein Schal fertig gewebt ist. Dann beginnt das Färben: Sangita, 19, die nebenbei ihren Schulabschluss macht und gut rechnen kann, wiegt das Farbpulver mit einer Apothekerwaage ab, grau, gelb, blau, lila. Sie schüttet die Pigmente auf ein Stück Zeitung, faltet daraus kleine Tüten und kippt das Pulver in einen Aluminiumkessel mit kochendem Wasser. Zu zweit legen sie die Schals über lange Holzstangen und tunken sie ins Wasser, bis der Stoff die Farbe in einem gleichmäßigen Verlauf angenommen hat. Dann hängen sie sie an die Leine, der Wind trocknet sie schnell. Die Fransen zwirbeln die Frauen mit der Hand. Schließlich kommen die Schals zu Gopini, 36, die sie mit ihrer Tochter Deepa bügelt. Die beiden schwatzen die ganze Zeit. Mit 15 wurde Gopini verheiratet, sie mochte ihren Mann, aber seine Eltern lehnten sie ab. Sie musste vor der Haustür schlafen, auch im Winter, durfte nur essen, was sie übrig ließen. Mit 17 floh das Paar nach Kathmandu, Gopini arbeitete in einer Teppichfabrik, für ein Kilo Wolle, das sie spann, bekam sie zehn Cent, neun Cent kostet der Reis für einen Tag. Sie bekam zwei Kinder, dann begann ihr Mann sie zu schlagen, irgendwann verschwand er. Gopini musste, wenn sie arbeiten ging, ihre Kinder in ihrer Wohnung einschließen, weil sie nicht wusste, wohin mit ihnen. Einmal wurde sie auf der Straße ohnmächtig, eine Frau von der WFN fand sie und verschaffte ihr eine Unterkunft im Frauenhaus, dann einen Job in der Weberei. Das war ihre Rettung. Sie verdiente auf einmal viel Geld, über 100 Euro im Monat, nach ein paar Monaten kam ihr Mann zurück. Er arbeitet jetzt als Lehrer, und wenn man die Familie besucht in ihrer Wohnung, die so eng ist, dass man darin kriechen muss, und sieht, wie gelassen und freundlich sie miteinander umgehen, dann spürt man, dass sie hält.

Jeden Morgen um vier Uhr geht Renu in den kleinen Tempel neben ihrem Haus und meditiert. Sie atmet ein, zählt bis sechs, hält die Luft an, atmet aus, zählt bis sechs – eine Stunde lang. Der Raum ist voller Insignien, ein Jesus mit liebendem Blick, die Göttin Shiva, ein Hindu-Altar. Renu hockt am Boden, ihre Augen haben dunkle Ränder, sie betet, füllt die Opferschalen. Sie hat keine Kinder, war nie verheiratet, sie sagt: „Manche sagen, ich hätte ja keine Ahnung davon, was Frauen in einer Ehe durchmachen. Aber ich glaube, ich habe gerade deshalb genug Kraft für sie.“